50. Leibertinger Jugendvergleichsfliegen

Trotz dieser ungewöhnlichen Zeiten, man kann also fast sagen wider Erwarten, kamen am siebten August 27 Piloten mit 19 Flugzeugen von allen Himmelsrichtungen in Leibertingen an. Schon am ersten Abend waren die Anpassungen an die aktuelle Lage spürbar: ein Corona-Briefing. Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren hatte jeder Verein seine eigene Bierbank für Frühstück, Briefing und Abendessen, Abstand musste gehalten werden und selbstverständlich galt eine Maskenpflicht. Schon in der ersten Nacht war der Himmel so sternenklar, das einige Teilnehmer sogar unter freiem Himmel übernachtet haben – was tut man nicht alles, um am ersten Wertungstag perfekt ausgeschlafen zu sein.

Der erste Wertungstag verlangte den jungen Piloten viel ab: mit 312 km in der Standardklasse und 252 km in der Clubklasse wurden damit gleich die größten Aufgaben ausgeschrieben. An diesem sonnigen, wolkenlosen Samstag begleitete uns ein dreiköpfiges Team vom SWR, welches Filmmaterial für einen Beitrag über das JuFlie sammelte. Im Vordergrund standen Interviews und Aufnahmen von Starts, sowie Bilder des alltäglichen Flugplatzgeschehens. Trotz der für viele ungewohnten Blauthermik hat ein Großteil des Feldes die Aufgabe erfolgreich meistern können.

Gleich den Erfahrungen des Vortages durfte das Feld sonntags wieder bei Blauthermik los, nur waren die Strecken dieses Mal etwas kleiner. Und wieder einmal hatte die Standardklasse die Wende Farrenberg, also einmal von der Alb runter – und wieder rauf, was nicht jedermanns Sache war. Bemerkenswerterweise gab es an diesem Tag in der Clubklasse gleich zwei Tagessieger mit identischem Schnitt und auch ein paar Außenlandungen waren leider nicht vermeidbar.

Montags hatten wir dann endlich ein paar Wölkchen. Die Strecken waren zwar kürzer als die vom Vortag, aber zur Abwechslung ging es mehr in Richtung Süden und der Schwarzwald wurde ganz ausgelassen. Durch einen sehr spontanen Einfall und mit ein bisschen Organisationstalent konnte einer der teilnehmenden Wettbewerbspiloten eines Duos an diesem Tag gemeinsam mit einem Piloten der FG Leibertingen auf „Flugzeugjagd“ gehen. Mithilfe von Glidertracker, Motorsegler und Funk lokalisierten sie die Teilnehmer im Flug und es entstanden viele tolle Air-to-air Aufnahmen. (Danke an Sascha an dieser Stelle)
Morgens noch hoch motiviert wurde auch am darauffolgenden Tag, dem vierten Wettbewerbstag, aufgebaut. Die Strecken waren ausgeschrieben, das Feld stand startbereit im Grid, kurz gesagt, es konnte losgehen – hätte sich da nicht in Platznähe eine Gewitterzelle entwickelt, die einen gültigen vierten Wertungstag unmöglich machten. Wenn man schon nicht fliegen kann, kann man allerdings die Gegend erkunden, zum Beispiel mit einer „Wanderung“ zum in der Nähe gelegenen Windrad und diversen Spielen.

Da der Mittwoch voraussichtlich der letzte fliegbare Tag werden sollte, wurde ein letztes Mal versucht, eine gültige Wertung zu erfliegen. Was auch mehr oder weniger gelungen ist. Auch wenn kein einziger Pilot die geforderte Aufgabe erfüllen konnte, kam ein weiterer Wertungstag zustande.

Während einige Teilnehmer die Aufgabe vorzeitig abbrachen und es noch nach Leibertingen zurück geschafft haben, sind mehr als die Hälfte außengelandet. Schuld an allen Außenlandungen waren die Gewitterbildung im Schwarzwald und eine riesige Abschirmung auf der Alb. Aber auch Außenlandungen können durchaus reizvoll sein, beispielsweise gab es einige landbare Wiesen im Donautal mit Abkühlung im Fluss – all inclusive.
Die beiden letzten Tage waren sehr regnerisch und wurden dementsprechend neutralisiert. Anstatt im Flieger zu sitzen wurde in der Therme entspannt, im Spaßbad gebadet oder sich beim Bouldern sportlich betätigt. Zudem wurde ein Kinoabend veranstaltet, dazu ein kleiner Filmtipp am Rande: „Barry Seal: Only in America“.

Nach einer Woche JuFlie ergab sich folgendes Ergebnis am Abschlussabend:
In der Clubklasse erflog Niklas Harder mit einer LS 1f (FSV Radolfzell e.V.) den Gesamtsieg, gefolgt von Timo Mayr (Ka 6CR, SFG Tannheim e.V.) auf Platz 2 und dem Pilotenduo Renate Litzelmann und Francois Ferenschütz (DG 100, Akaflieg Hannover) auf dem dritten Platz.
In der Standardklasse erflog Felix Wolf mit einer DG 300 (Breisgauverein für Segelflug e.V) den Gesamtsieg, gefolgt von Florian Grieb (DG 400, SFG Backnang e.V.) auf Platz 2 und Daniel Krohmer (Discus 2, FLG Dettingen unter Teck e.V.) auf dem dritten Platz.
Nach Glückwünschen und Dankesreden des ersten Vorsitzenden Lothar Bix der FG Leibertingen und des Referenten für Luftsportjugend des BWLV Oliver Goller, der unter anderem eine Verdopplung der Bezuschussung des Leibertinger Jugendvergleichsfliegens verkündete, klang der Abend bei Speis und Trank aus. Vielen herzlichen Dank an alle, die das JuFlie unter diesen Bedingungen möglich gemacht haben und es wie jedes Jahr zu einem entspannten, lehrreichen und schönen Erlebnis gemacht haben. Viele von uns freuen sich schon, nächstes Jahr wieder dabei zu sein.